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14
Januar
Musik

Hier geht es zur Hörversion dieses Artikels (mit Musik!).

C. war erst letzte Woche elf Jahre alt geworden. Er hatte noch den Nachklang seiner Geburtstagsfeier im Ohr, als er am Montag in die Schule kam. Später würde er sich allerdings weniger an diesen Geburtstag erinnern können, als vielmehr an das, was an jenem Montag in seiner Musikstunde geschehen sollte.

Der Musiklehrer brachte nichts weiter mit als Zeichenpapier und Noten. Der Musiklehrer saß am Flügel und spielte, C. malte wie alle anderen ein Bild — ein Bild nur mit Formen und Farben, ohne Menschen oder Worte, die waren nicht erlaubt. Die Musik war die Begleitung zu einem Lied, nur dass niemand dazu sang: „Im wunderschönen Monat Mai“. Das Bild, das C. malte, war zur Hälfte gelb und zur anderen Hälfte mit kurzen blauen Strichen versehen, in beiden Hälften zog eine rote runde Fläche den Blick auf sich, in der blauen Hälfte umgeben von etwas, das wie eine dunkle, schwarze Wolke aussah.

Als C. an der Reihe war, erklärte er, was er gehört und gemalt hatte: Gelb für die Freiheit und Blau für die Trauer, Rot für die Liebe und Schwarz für das Schlechte, und alles der Kampf um die Überwindung des Schlechten und des Gefangenseins. C. wunderte sich darüber, dass der Musiklehrer, anstatt etwas zu sagen, blass wurde und aus dem Klassenzimmer stürmte. Auf dem Weg zum Pausenhof hörte C.s Klasse Klaviermusik aus dem Zimmer des Lehrers. In der nächsten Woche erklärte der Musiklehrer, er hätte nicht gewusst, was da in diesen harmlos scheinenden Noten verborgen gewesen war, und er hätte sofort und ohne Verzögerung herausfinden müssen, ob Schumanns Papillons vielleicht ebenfalls...?

 
 
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Last update: 2019.01.14, 11:04
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